Zusammenfassung lesen
Viele erschrecken, wenn ein SEO-Tool toxische Backlinks meldet. Dabei sind die meisten dieser Warnungen kein Grund zur Sorge. Backlinks sind Links von anderen Websites auf deine. Viele SEO-Tools vergeben dafür eigene Giftwerte, Google kennt diese Werte aber nicht und verwendet den Begriff toxische Backlinks selbst nicht.
Google spricht stattdessen von Link-Spam. Gemeint sind Links, die vor allem das Ranking manipulieren sollen, zum Beispiel gekaufte Links ohne Kennzeichnung, übermäßiger Linktausch oder automatisch erzeugte Links. Seit Dezember 2022 neutralisiert Google solche Links laut eigener Aussage mit seinem KI-System SpamBrain. Das heißt: Sie zählen einfach nicht. Wer früher von gekauften Links profitiert hat, kann dadurch Plätze verlieren, weil der Vorteil wegfällt.
Was dabei wichtig ist, ist Folgendes: Prüfe zuerst in der Search Console den Bericht Manuelle Maßnahmen. Steht dort nichts, musst du in aller Regel nichts tun. Für einen Blick auf deine Links reicht der kostenlose Linkbericht der Search Console. Auffällig sind dort Muster, etwa viele Links mit genau deinem Keyword als Linktext. Die wichtigste Frage ist, ob früher Links gekauft oder getauscht wurden.
Das Disavow-Tool, mit dem du Links bei Google entwertest, ist laut Google nur sinnvoll, wenn viele Spam-Links auf deine Seite zeigen und sie eine manuelle Maßnahme ausgelöst haben oder wahrscheinlich auslösen. Dann zuerst versuchen, die Links entfernen zu lassen, den Rest per Datei entwerten und einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen. Das Tool unterstützt keine Domain-Properties, jede neue Datei ersetzt die alte, und die Wirkung braucht einige Wochen.
Auch die Sorge, ein Wettbewerber könne mit Spam-Links schaden, ist meist unbegründet. Google schreibt, man bemühe sich, dass Aktionen Dritter einer Website nicht schaden. Fremde Spam-Links werden in aller Regel neutralisiert. Meine Empfehlung: Nur mit konkretem Anlass entwerten und die Zeit lieber in Inhalte stecken, auf die andere freiwillig verlinken.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind schlechte Backlinks?
- Schaden schlechte Backlinks deiner Website?
- Backlinks prüfen: So findest du schlechte Links
- Manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links: was jetzt zu tun ist
- Das Disavow-Tool: wann sinnvoll und wann nicht
- Kann ein Wettbewerber mir mit schlechten Links schaden?
- Meine Einschätzung aus der Praxis
- Häufige Fragen zu schlechten Backlinks
- Fazit
- Quellen
Viele Website-Betreiber bekommen irgendwann eine beunruhigende Meldung aus einem SEO-Tool: Hunderte „toxische Backlinks“ zeigen auf die eigene Seite, die Website sei in Gefahr. Backlinks sind Links von anderen Websites auf deine. Die Frage, die dann kommt: Muss ich diese Links jetzt bei Google entfernen lassen? Die ehrliche Antwort ist in den meisten Fällen nein. Ich erkläre, was Google selbst zu schlechten Links sagt, wie du deine Backlinks prüfst und in welchen Fällen das Disavow-Tool, also das Google-Werkzeug zum Entwerten von Links, wirklich sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Google nennt Links, die vor allem das Ranking manipulieren sollen, Link-Spam. Den Begriff „toxische Backlinks“ verwendet Google selbst nicht, er stammt aus SEO-Tools.
- Seit Dezember 2022 neutralisiert Googles KI-System SpamBrain laut Google die Wirkung unnatürlicher Links. Solche Links zählen dann einfach nicht.
- Das Disavow-Tool ist laut Google nur sinnvoll, wenn viele Spam-Links auf deine Seite zeigen UND sie eine manuelle Maßnahme ausgelöst haben oder wahrscheinlich auslösen.
- Ob es eine manuelle Maßnahme gibt, siehst du in der Search Console im Bericht „Manuelle Maßnahmen“.
- Zum Prüfen reicht für die meisten Websites der kostenlose Linkbericht der Search Console.
Was sind schlechte Backlinks?
Google beschreibt in seinen Spamrichtlinien sehr genau, was ein schlechter Link ist. Dort heißt es: „Link-Spam ist das Erstellen von Links zu oder von einer Website, hauptsächlich um das Suchranking zu manipulieren.“ Als Beispiele nennt Google gekaufte oder verkaufte Links, übermäßigen Linktausch, automatisch erzeugte Links, Links in Artikeln und Pressemitteilungen mit gezielt optimiertem Linktext sowie versteckte Links in Widgets, die über viele Websites verteilt sind.

Wichtig ist das Wort „hauptsächlich“. Ein Link von einem kleinen Blog, einem Verzeichnis oder einer Seite mit wenig Besuchern ist nicht automatisch schlecht. Schlecht wird ein Link, wenn er gekauft, getauscht oder künstlich erzeugt wurde, um bei Google besser dazustehen. Bezahlte Links für Werbung oder Sponsoring sind laut Google erlaubt, wenn sie mit rel="sponsored" oder rel="nofollow" gekennzeichnet sind. Das sind kleine Hinweise im Code, die Google sagen: Dieser Link soll kein Ranking weitergeben.
Was hinter „toxischen Backlinks“ in SEO-Tools steckt
Viele SEO-Tools vergeben eine Art Giftwert für jeden Link und schlagen Alarm, wenn er hoch ist. Diese Werte berechnet jedes Tool nach eigenen Regeln, Google kennt sie nicht. Laut einer Auswertung von Ahrefs, einem Anbieter von SEO-Software, hat Googles Suchexperte John Mueller geraten, solche Spam-Links zu ignorieren. Ein hoher Wert in einem Tool ist für mich deshalb ein Anlass zum Hinsehen, aber kein Grund zur Panik.
Schaden schlechte Backlinks deiner Website?
Meistens nicht. Google hat im Dezember 2022 im Search Central Blog angekündigt, unnatürliche Links mit SpamBrain zu neutralisieren. SpamBrain ist Googles KI-basiertes System gegen Spam. Laut Google erkennt es nicht nur Spam direkt, sondern auch Websites, die Links kaufen, und Websites, die nur dazu dienen, Links weiterzugeben.

Neutralisieren heißt: Der Link zählt nicht. Er bringt nichts, schadet aber in der Regel auch nicht. Google schreibt dazu, dass sich das Ranking ändern kann, wenn Aufwertungen durch solche Links wegfallen. Wer also früher von gekauften Links profitiert hat, kann Plätze verlieren, weil dieser Vorteil verschwindet, nicht weil eine Strafe greift.
- Spam-Verzeichnisse, die du nie beauftragt hast
- automatisch kopierte Seiten, die deine Inhalte übernehmen
- Links von fremdsprachigen Spamseiten
- einzelne Links von Seiten mit wenig Qualität
- gekaufte Links ohne Kennzeichnung
- Artikel mit Linktexten, die genau dein Keyword enthalten
- Linktausch im großen Stil, auch über Dritte
- Links aus Netzwerken, die eine frühere Agentur aufgebaut hat
Backlinks prüfen: So findest du schlechte Links
Für die meisten Websites reicht der kostenlose Linkbericht der Search Console. Er zeigt unter „Externe Links“ die meistverlinkten Seiten, die Websites mit den meisten Links auf dich und die häufigsten Linktexte. Laut Google lassen sich auf der Startseite des Berichts bis zu 100.000 Zeilen als CSV-Datei oder Google-Tabelle exportieren. Zwei Einschränkungen nennt Google selbst: Der Bericht enthält nicht alle Links, und er zeigt nicht, ob ein Link mit nofollow gekennzeichnet ist.

So gehe ich beim Prüfen vor:
- 1
Manuelle Maßnahmen ansehen
Öffne in der Search Console den Bericht „Manuelle Maßnahmen“. Steht dort „Keine Probleme erkannt“, musst du in aller Regel nichts entwerten.
- 2
Verweisende Websites exportieren
Lade im Linkbericht die Liste der verweisenden Websites herunter und sortiere sie nach Anzahl der Links.
- 3
Nach Mustern suchen
Einzelne merkwürdige Links sind normal. Auffällig sind Muster: viele Links mit demselben Keyword als Linktext oder Dutzende Seiten aus einem Netzwerk.
- 4
Die eigene Geschichte klären
Wurden früher Links gekauft, getauscht oder von einer Agentur „aufgebaut“? Das ist die wichtigste Frage, denn genau solche Links nennt Google Link-Spam.
Achtung bei Tool-Werten
Ein hoher Giftwert in einem SEO-Tool ist eine Schätzung des Anbieters, keine Aussage von Google. Google warnt in der Hilfe ausdrücklich davor, pauschal alle Links in die Disavow-Datei zu schreiben.
Manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links: was jetzt zu tun ist
Eine manuelle Maßnahme ist eine Abstrafung, die ein Mitarbeiter von Google verhängt, nicht der Algorithmus. In der Hilfe zu manuellen Maßnahmen unterscheidet Google zwei Fälle: unnatürliche Links zu deiner Website und unnatürliche Links von deiner Website, etwa durch Linktausch. Die Maßnahme kann einen Teil oder die ganze Website betreffen.

Google empfiehlt dann diese Reihenfolge: Linkliste aus der Search Console herunterladen, die Betreiber der Seiten bitten, die Links zu entfernen oder mit nofollow zu kennzeichnen, und nur für Links, die sich nicht entfernen lassen, das Disavow-Tool nutzen. Erst wenn alles behoben ist, stellst du im Bericht einen Antrag auf erneute Überprüfung. Darin beschreibst du, was du getan hast, und listest die entfernten Links auf. Die Prüfung dauert laut Google Tage bis Wochen, bei Links oft länger.
Das Disavow-Tool: wann sinnvoll und wann nicht
Mit dem Disavow-Tool, auf Deutsch „Links für ungültig erklären“, sagst du Google: Diese Links sollen bei der Bewertung meiner Seite nicht zählen. Google selbst bremst hier deutlich. Laut Hilfe sind die meisten Links für Google vertrauenswürdig, sodass das Tool für die meisten Websites nicht nötig ist.

Disavow-Tool: ja oder nein?
Stand: Google-Hilfe, geprüft am 16.10.2026
| Situation | Disavow sinnvoll? | Warum |
|---|---|---|
| SEO-Tool meldet „toxische“ Links, keine manuelle Maßnahme | nein | Google ignoriert solche Links laut eigener Aussage in der Regel selbst. |
| Spam-Verzeichnisse und kopierte Seiten verlinken dich | nein | Du hast sie nicht beauftragt, und sie zählen meist ohnehin nicht. |
| Manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links | ja, nach dem Entfernen | Für Links, die sich nicht entfernen lassen, ist das Tool genau dafür gedacht. |
| Früher viele Links gekauft, noch keine Maßnahme | möglich | Wenn eine Maßnahme wahrscheinlich ist, nennt Google das ausdrücklich als zweiten Fall. |
Im Zweifel lieber prüfen lassen, bevor du Links entwertest.
Zwei technische Punkte aus der Google-Hilfe überraschen viele: Das Tool unterstützt keine Domain-Properties, also die Search-Console-Variante für die ganze Domain. Du brauchst eine URL-Präfix-Property, etwa für https://www.deine-seite.de. Und jede neue Datei ersetzt die alte Liste vollständig. Bis Google die Liste berücksichtigt, können laut Google einige Wochen vergehen.
So sieht eine Disavow-Datei aus
Google schreibt das Format genau vor:
- eine Textdatei mit der Endung .txt, kodiert in UTF-8 oder 7-Bit-ASCII
- pro Zeile eine URL oder eine ganze Domain, Domains mit dem Zusatz domain: davor, zum Beispiel domain:spamseite.example
- Kommentarzeilen beginnen mit #
- höchstens 100.000 Zeilen und 2 MB, einzelne URLs höchstens 2.048 Zeichen
Einen Ordner wie example.com/de/ kannst du laut Google nicht für ungültig erklären, nur einzelne URLs oder ganze Domains. Bei Fehlern in der Datei behält Google die alte Liste.

So kann eine fertige Datei aussehen. Oben stehen Kommentare, damit du später noch weißt, wann und warum du die Links entwertet hast. Danach folgen einzelne Seiten und ganze Domains. Die Adressen im Beispiel sind erfunden. Du kannst die Beispieldatei herunterladen und mit einem einfachen Texteditor wie TextEdit oder dem Windows-Editor anpassen.

So lädst du die Datei im Disavow-Tool hoch
Das Disavow-Tool ist nicht im normalen Menü der Search Console verlinkt, du öffnest es direkt über die Adresse. Dort wählst du zuerst die Property aus (1). Danach erscheint der Knopf „Liste mit ungültigen Links hochladen“ (2), über den du deine .txt-Datei auswählst. Enthält die Datei Fehler, zeigt Google sie sofort an und die alte Liste bleibt bestehen.

Bearbeiten kannst du die Liste im Tool selbst nicht. Du änderst die Textdatei auf deinem Computer und lädst sie neu hoch. Laut Google-Hilfe ersetzt die neue Liste dann alle bisherigen für diese Property. Heb deine Datei deshalb gut auf und ergänze sie, statt jedes Mal neu anzufangen. Willst du alles zurücknehmen, gibt es im Tool den Knopf „Ungültigkeitserklärung abbrechen“.
Kann ein Wettbewerber mir mit schlechten Links schaden?
Diese Sorge höre ich oft, man nennt das negatives SEO. Google schreibt in der Hilfe zum Disavow-Tool, man sei „sehr bemüht“, dass sich Aktionen auf Websites Dritter nicht nachteilig auf eine Website auswirken. In Verbindung mit SpamBrain heißt das: Fremde Spam-Links werden in aller Regel neutralisiert. Eine Garantie gibt es nicht, aber ohne manuelle Maßnahme würde ich deshalb nicht vorsorglich entwerten.
Meine Einschätzung aus der Praxis
Ich schaue mir die Backlinks bei jeder neuen Website an, vor allem, um die Vorgeschichte zu verstehen. Entwertet wird bei mir nur, wenn es einen konkreten Anlass gibt: eine manuelle Maßnahme oder eindeutig gekaufte Links aus der Vergangenheit. Die Zeit, die viele in Giftwerte von Tools stecken, ist aus meiner Sicht besser in Inhalte investiert, auf die andere freiwillig verlinken. Warum getauschte Links meist nichts bringen, erkläre ich im Beitrag Linktausch: Bringen getauschte Backlinks etwas?. Wenn du unsicher bist, ob in deinem Linkprofil etwas Ernstes steckt, schaue ich es mir als SEO-Freelancer gern mit dir an.
Häufige Fragen zu schlechten Backlinks
Wie finde ich heraus, ob ich eine Abstrafung wegen Links habe?
In der Search Console unter „Sicherheit und manuelle Maßnahmen“ im Bericht „Manuelle Maßnahmen“. Gibt es eine Maßnahme, steht sie dort mit einer Beschreibung, welche Seiten betroffen sind.
Wie lange dauert es, bis das Disavow-Tool wirkt?
Laut Google einige Wochen, weil Google das Web dafür neu crawlen muss. Die entwerteten Links bleiben im Linkbericht der Search Console trotzdem sichtbar.
Kann ich eine Disavow-Datei wieder zurücknehmen?
Ja. Im Tool die Property wählen und „Ungültigkeitserklärung abbrechen“ klicken. Auch das wirkt laut Google erst nach einigen Wochen.
Brauche ich ein kostenpflichtiges Tool, um Backlinks zu prüfen?
Für die meisten kleinen und mittleren Websites nicht. Der Linkbericht der Search Console zeigt die wichtigsten verweisenden Websites. Bezahlte Tools finden mehr Links, ihre Bewertungen sind aber eigene Schätzungen.
Fazit
Schlechte Backlinks klingen gefährlicher, als sie meist sind. Google neutralisiert unnatürliche Links seit Ende 2022 weitgehend selbst, und das Disavow-Tool ist laut Google nur für Fälle gedacht, in denen viele Spam-Links zu einer manuellen Maßnahme geführt haben oder wahrscheinlich führen. Prüfe zuerst den Bericht „Manuelle Maßnahmen“ und deine eigene Vorgeschichte mit Links. Gibt es dort nichts, ist dein Linkprofil in aller Regel kein Grund zur Sorge.
Quellen
- Google Search Central: Spamrichtlinien für die Google Websuche, Abschnitt Link-Spam (Stand 02.09.2026)
- Google Search Central Blog: Link-Spam-Update vom Dezember 2022, 14.12.2022
- Search Console-Hilfe: Links zu Ihrer Website für ungültig erklären
- Search Console-Hilfe: Bericht „Manuelle Maßnahmen“
- Search Console-Hilfe: Linkbericht
- Ahrefs: Toxic Backlinks, 28.02.2024